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What about digital?

Der Unterschied zwischen Digitaleinheiten und digitalen Speedboats

13.11.2019
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Die digitale Transformation ist ein wichtiger Baustein für den nachhaltigen Erfolg und somit unerlässlich für alle Unternehmen, die auch in der Zukunft weiterhin bestehen wollen. Zu diesem Zweck gründen immer mehr Unternehmen eigene Digitaleinheiten (Digital Labs, Innovation Hubs, etc.), um die eigene Kernorganisation auf diesem Wege agiler, effizienter und innovativer aufzustellen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter einer Digitaleinheit? Welche Herausforderungen gibt es bei digitalen Einheiten? Und was ist eigentlich ein digitales „Speedboat“?


Im Liquam Blogcast stellen wir unsere Blogbeiträge als vertonte Fassung „to-go“ zur Verfügung.
Der Blogcast ist verfügbar bei:
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Was steckt hinter einer Digitaleinheit?

Oftmals wird der Begriff Digitaleinheit als Ober-/ Sammelbegriff für die Neugründung einer internen oder externen Abteilungen genutzt, in denen die digitalen Aktivitäten eines Unternehmens gebündelt werden.

Die häufigsten Digitaleinheiten werden meist vom Unternehmen noch spezieller beschrieben und wie folgt unterschieden, wobei die Tätigkeiten (wie z. B. Zukauf von Unternehmen, Venture Capital Tätigkeiten, Neugründungen von eigenen Start-Ups usw.) der entsprechenden Einheiten oftmals fließend ineinander übergehen:

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Digital Unit

Eine digital Unit ist eine vom Unternehmen gegründete Einheit, die außerhalb bestehender Strukturen mit agilen und flexiblen Methoden neue Services und Geschäftsmodelle entwickelt.

Das Unternehmen ECE Projektmanagement, dass Einkaufszentren entwickelt, hat unter anderem eine eigene Digital Unit gegründet. In diesem Rahmen testet ECE innovative Produkte und Services und führt diese bei Erfolg ein.

Company Builder

Company Builder entwickeln eigene Geschäftsmodelle und bauen auf Basis dieser eigene Start-Ups. Die erste Finanzierung kommt meist vom Mutterkonzern. 

Die Otto Gruppe hat gleich zwei verschiedene Company Builder gegründet. Liquid Labs konzentriert sich dabei auf FinTech und Logistik und INTO-e auf den Bereich E-Commerce.

Inkubatoren

Ein Inkubator investiert in externe Start-Ups. Häufig wird das junge Unternehmen nicht nur finanziell, sondern auch durch das eigene Netzwerk bei der Personalfindung oder im Online Marketing etc. unterstützt.

Das französische Energie-und Entsorgungsunternehmen Veolia Environnement hat mit Veolia U-Start einen eigenen Inkubator ins Leben gerufen. Der Fokus liegt hier auf Start-Ups aus der Kreislaufwirtschaft (Recycling). 

Accelerator

Ein Accelerator-Programm ähnelt dem Inkubator stark. Die Programme sind oftmals zeitlich begrenzt und Gründerteams müssen sich für die Programme bewerben. Am Ende des Programms gibt es häufig eine Präsentation über das entwickelte Projekt/ Produkt. Auf Grund seiner Unterstützung erhält der Accelerator ggf. Anteile o. ä. am neuen Unternehmen. Die Allianz fokussiert sich beispielsweise mit dem Allianz Digital Accelerator hauptsächlich auf InsurTech-Start-ups.

Innovation Labs

Unternehmenseigene Labs werden geschaffen, um interne Ressourcen und die eigenen Mitarbeiter für die Entwicklung und den Aufbau innovativer Geschäftsmodelle zu nutzen.

Das VW DATA:LAB arbeitet mit Professoren und Studierenden der LMU und TU in München zusammen. Der Fokus liegt hier im Bereich von zukunftsweisenden Technologien wie z. B. Künstlicher Intelligenz oder Deep Learning. 

Welche Herausforderungen ergeben sich durch digitale Einheiten?

Je stärker das „Bewahrertum“ im Unternehmen herrscht, desto schwerer ist es für die entsprechende Einheit an Akzeptanz zu gewinnen. Dies ist ein schwieriger Akt, da sich die Haupttätigkeit der digitalen Einheiten sich nicht zwangsläufig mit dem Kerngeschäft der eigentlichen Organisation befasst, sondern häufig mit der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen, der Disruption der eigenen Geschäftsfelder oder dem internen Kulturwandel im Hinblick auf eine digitale DNA liegen.

Voraussetzung für eine gute Integration ist vorausschauendes Change Management in Kombination mit klarer interner Kommunikation seitens der Unternehmensführung (mehr zum Thema Change Management).

Erst einmal gestartet, passiert es leider allzu häufig, dass die digitalen Einheiten sich immer mehr vom eigentlichen Unternehmen wegbewegen und dem ursprünglichen Gedanken, die Transformation in der Mutterorganisation voranzutreiben, nicht gerecht werden können.

Tanker vs. Speedboat

Das Bild lässt sich vielleicht verdeutlichen, stellt man sich ein etabliertes Unternehmen oder auch Konzerne als ein Tanker mit allen Vor- und Nachteilen vor, die ein Tanker mit sich bringt. Auf Grund seiner Größe kann der Tanker sehr lange und weite Strecken zurücklegen, hat viele Kapazitäten und einmal im Hafen eingelaufen, bringt er einen starken Umsatz. Leider ist der Tanker nicht sehr wendig und kann sich durch seinen Tiefgang nicht unbedingt in neue Gewässer begeben, da er sonst Gefahr läuft nicht mehr weiterzukommen.

Ein Speedboat (wie man eine Digitaleinheit veranschaulichen könnte) hingegen ist sehr wendig, kann schnell von A nach B fahren und bietet entsprechende Flexibilität. Leider ist ein Speedboat nicht für eine lange Strecke ausgelegt und hat auch nicht genug Kapazitäten, um auch nur eine annähernd große Ladung wie ein Tanker zu fassen. Kombiniert man jedoch einen Tanker mit einem Speedboat, so kann man die gesamten Vorteile nutzen und die Nachteile ausgleichen.

Wie integriert man ein Speedboat in die Abläufe eines Tankers?

Damit die digitale Transformation auch in der Kernorganisation glückt und nicht nur die digitale Einheit sich entwickelt und irgendwann dem Tanker davonfährt und abhanden kommt, sollte ein digitales Speedboat so eingesetzt werden, dass es immer wieder zu dem Mutterschiff, dem Tanker, zurückkehrt.

Dieses Speedboat ist eine Art Projektteam, welches eine Abteilung im Unternehmen oder auch eine ausgegründete Einheit bildet. Die DNA des Teams sollte ganz spezielle Eigenschaften aufweisen. Kreativität, Flexibilität, Entscheidungsspielraum und kurze Wege sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Speedboat. Agile Methoden, Start-Up Mentalität und innovative Ansätze bestimmen die Arbeitsweise im Projektteam und hierfür werden selbstverständlich die entsprechenden kreativen Köpfe benötigt.

Die Kernorganisation (der Tanker) spielt Projekte an das Projekt-Team (das Speedboat) und unterstützt fachlich und prozessseitig während der Projektphase. Das Speedboat-Team arbeitet in Projektzeiträumen von maximal drei Monaten an einem MVP (Minimal Viable Product) und gibt dieses anschließend zurück in die Kernorganisation, damit es dort von den Mitarbeitern gemeinsam mit regelmäßiger Unterstützung von einem Projektbegleiter aus dem Speedboat-Team abgeschlossen werden kann.

Das Speedboat geht also für den Tanker auf Erkundungstour und berichtet anschließend über die Erkenntnisse. Auf diesem Wege gibt es viele Schnittstellen zwischen den Organisationseinheiten und die Mitarbeiter des Tankers arbeiten mit Hilfe des Projektbegleiters ebenfalls agil und entwickeln so Stück für Stück eine digitale DNA in der Kernorganisation.

Wo liegt jetzt also der Unterschied zwischen Digitaleinheiten und dem digital Speedboat?

Digitale Einheiten sowie das digitale Speedboat werden zu dem Zweck gegründet, die digitale Transformation in der Kernorganisation (dem Tanker) voranzutreiben. Hier besteht weniger ein Unterschied zwischen dem Kerngedanken, sondern vielmehr in der Art und Weise der Umsetzung. Eine digitale Einheit kann als solche schnell und agil an neuen Geschäftsmodellen arbeiten und diese ggf. auch etablieren. Hier findet jedoch häufig kaum bis kein Transfer zurück in die Kernorganisation statt.

Der Vorteil des Speedboats wird gerade hier deutlich, da zum Einen der nötige Freiraum zum Tanker gegeben ist, jedoch die Projekte und deren Umsetzung gemeinsam mit dem Tanker ausgewählt und umgesetzt werden. Die Arbeitsweise ist aus dem Projektteam zurück in die Gesamtorganisation.

Lesen Sie mehr über das „Digitale Speedboat“ in unserem kostenlosen Whitepaper:

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Tobias Wulf

Consultant bei der Liquam GmbH

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