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What about digital?

Digitalisierung im Mittelstand

14.04.2021
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Digitalisierung wird häufig noch mit dem „papierlosen Büro“ gleichgesetzt. Grundsätzlich ist dies keine falsche Definition, jedoch gerade im Unternehmenskontext deutlich zu kurz und klein gedacht. Es geht darum ein Gefühl für Zukunftsthemen, Datenzusammenhänge und Geschäftsmodelle zu entwickeln. 

 

Im Liquam Blogcast stellen wir unsere Blogbeiträge als vertonte Fassung „to-go“ zur Verfügung. Der Blogcast ist verfügbar bei: SoundcloudApple Podcasts und Spotify.

 

Der deutsche Mittelstand ist nach wie vor das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. In keinem anderen Land auf der Welt gibt es so viele „Hidden Champions“, die in Ihrem Bereich weltweite Technologieführer sind. Doch vor allem, wenn es um das Thema Digitalisierung geht, speziell um digitale Geschäftsmodelle bzw. die Überführung des eigenen Geschäftsmodells in die digitale Welt, scheint der deutsche Mittelstand noch nicht den richtigen Weg gefunden zu haben und tut sich häufig schwer.

 

Verantwortlichkeiten müssen klar werden

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Oftmals liegt es u.a. an einer falschen Verantwortlichkeit. Digitalisierung sollte nicht z.B. von der IT-Abteilung federführend vorangetrieben werden, sondern direkt seitens der Geschäftsführung, des Vorstands oder entsprechender Beiräte. Digitalisierung geht natürlich einher mit entsprechend technischen Neuerungen, neuer Software, jedoch sind dies nicht die einzigen Bausteine der Digitalisierung. Dies sind meist nur die Lösungen, die als logische Schlussfolgerung abgeleitet aus einer entsprechenden Strategie erfolgen müssen. 

 

Entsprechend nimmt die IT-Abteilung einen bestimmten Blickwinkel ein, der weniger auf das große Ganze abzielt, sondern eher die Machbarkeit, auch im Bezug auf das Tagesgeschäft schaut. Die IT-Abteilung ist genauso eine normale Linien-Abteilung wie bspw. die Produktion, der Vertrieb oder die Logistik und wird nicht plötzlich zur strategischen Zentrale des Unternehmens. 

 

Passende Strategie für eigene Organisation finden

Einige Grundsatzfragen, die sich Unternehmen stellen müssen könnten folgendermaßen formuliert sein: 

  • Werden wir mit unserem derzeitigen Geschäftsmodell auch in Zukunft Erfolg haben?
  • Ist unsere derzeitige Unternehmensstrategie klar oder müssen wir hier unsere abgeleiteten Ziele nochmals schärfen?
  • Muss Digitalisierung ein integrativer Bestandteil unserer bestehenden Aktivitäten werden oder müssen wir gänzlich neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln?

 

Dies sind selbstverständlich alles formulierte Fragen aus der Vogelperspektive und müssten für eine ausformulierte Strategie inkl. einer abgeleiteten Roadmap noch deutlich detaillierter heruntergebrochen werden. Hier sollte vor allem eine Balance zwischen einem Blick „nach außen“ als auch „nach innen“ gefunden werden. Strategische Ziele und Vorhaben müssen zur eigenen Organisation passen. Die Entwicklung von datengetriebenen Geschäftsmodellen beispielsweise lässt sich nicht ohne eine konkrete Datenstrategie und entsprechende Kompetenzen und Fähigkeiten in der eigenen Organisation verwirklichen. 

 

Gleichzeitig lohnt es sich auch einen Blick „nach draußen“ zu wagen, um sich Inspiration von Branchenführern oder auch aus anderen Branchen zu holen. Möglicherweise lässt sich hieraus eine gewisse Blaupause ableiten, die man dann auf das eigene Unternehmen übertragen kann.

 

Daten – das „neue Gold“ richtig nutzen

Jedes Unternehmen verfügt über eine riesige Menge an wertvollen Daten, welche sowohl genutzt werden könnten um mögliche interne Prozesse zu automatisieren als auch neue Geschäftsmodelle oder Vertriebsstrategien zu entwickeln. Auffällig im Mittelstand ist vor allem, dass diese Daten häufig nicht genutzt werden oder nur sehr wenig auf Grund von Daten entschieden wird. Eine gut ausformulierte Datenstrategie sollte die Grundlage bilden für die erfolgreiche, sinnvolle Nutzung der internen Daten. (Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Datenstrategie)

 

Ist Digitalisierung abhängig von einer Branche?

Verschiedene Umfragen ergeben regelmäßig ein Bild, dass Digitalisierung stark abhängig von der eigenen Branche eine wichtige Rolle spielt. Vor allem die Vertreter aus dem Bereich Handel sind sich bewusst, dass Digitalisierung ein großen Hebel für den Erfolg des eigenen Unternehmens ausmacht. In der Industrie bzw. in der Dienstleistungsbranche sind die Meinungen sehr gemischt. Das Baugewerbe sieht sich eher weniger von der Digitalisierung getrieben. Aus unserer Sicht sollte branchenunabhängig auf mögliche Disruption geschaut werden und stetig der eigene Status Quo hinterfragt werden. 

 

Sollte jeder Trend verfolgt werden im Mittelstand?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Für die Verfolgung von neuen Themen und Trends werden natürlich auch entsprechende Ressourcen im Unternehmen benötigt. Anders als in einem Großkonzern mit deutlich mehr zur Verfügung stehenden Ressourcen können Trends nicht einfach blind verfolgt werden. Jeder Trend geht selbstverständlich einher mit Chancen und Risiken, hier ist sicherlich ein unternehmerisches Bauchgefühl oft richtungsweisend, wenn auch nicht immer richtig.  

 

Dennoch lässt sich ein deutlich besseres Gespür entwickeln, wenn man sich neuen Trends mit einem gewissen Plan, einer überlegten Strategie nähert. Je besser meine eigene Organisation sich auf Wandel einstellt und sich mit digitalen Themen auseinandersetzt, desto eher können Trends adaptiert bzw. erkannt oder verworfen werden. 

 

Um sich mit dieser Frage im ersten Schritt nicht direkt auseinandersetzen zu müssen, eignet es sich hervorragend zunächst den Blick auf die eigene Organisation zu werfen im Bezug auf die internen Prozesse bzw. auf die eigenen Kunden.

  • Welche Prozesse lassen sich optimieren und automatisieren?
  • Wo können wir Daten sinnvoll sammeln und an anderer Stelle wertvoll einsetzen?
  • Welche Fähigkeiten sollten meine Mitarbeiter erlernen in einer digitalen Welt?
  • Welche Erwartungshaltung haben unsere Kunden an uns im Bezug auf Digitalisierung?

 

Durch die Beantwortung dieser Fragen bin ich schon ein gutes Stück weiter und habe sicherlich ein besseres Gespür entwickelt, auf welchem ich aufbauen kann.

 

Fazit

Digitalisierung ist ein klares Top-Down-Thema, welches nicht von einer IT-Abteilung oder 2-3 neuen Trainees vorangetrieben werden kann. Hier ist ganz klar das Management gefordert und gefragt. 

 

Für eine erfolgreiche Umsetzung der strategischen Ziele und Projekte eignet sich der Aufbau einer eigenen Digitalabteilung bzw. Digitaleinheit, je nach Unternehmensgröße könnte auch im ersten Schritt mit einem Projektmanager gestartet werden. (Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Digitaleinheiten) 

 

Neben einer guten Strategie und der entsprechend umsetzungsstarken Personen im Unternehmen sollten die Daten zielführend gesammelt und genutzt werden. Ein besseres Gespür für digitale Trends bekomme ich nur, wenn ich mich grundsätzlich mit dem Thema befasse. Hier eignet sich zunächst der Blick auf die eigene Wertschöpfungskette zu richten, um entlang dieser digitale Themen zu identifizieren und anzugehen. 

 

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Tobias Wulf

Consultant bei der Liquam GmbH

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