Desk

What about digital?

Payment 2019 - ein kurzer Überblick

08.08.2019
0 Kommentare

Vielleicht war es PayPal, die mit der Revolution des Marktes begonnen haben. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts ist PayPal ein nicht mehr wegzudenkender Anbieter für Onlinezahlungen oder P2P-Überweisungen (Person to Person). Der Markt ist in Bewegung. Unternehmen wie Apple oder Google bieten mittlerweile neben ihren eigentlichen Kernprodukten Apple Pay und Google Pay an. Doch nicht nur die amerikanische Tech-Industrie ändert den Markt der Zahlungsanbieter grundlegend, sondern auch deutsche Unternehmen, wie die Smartphone-Bank N26 oder der Zahlungsdienstleister Wirecard, sind Teil einer neuen Generation im Bereich Banking & Payment. Die etablierten Banken - nicht nur in Deutschland - haben aber bisher wenig vorzuweisen ("Irgendwas mit bezahlen" der deutschen Bankenwelt...Jetzt: 2. Akt).

Wirft man einen Blick gen Fernost, beanspruchen Services wie WeChat Pay oder Alipay den Markt für sich.

Doch warum ist dieser Markt eigentlich so interessant?

Laut den Experten von Nilson Report wird das Volumen für bargeldloses Zahlen im Jahr 2023 bei 40 Billionen USD liegen. Die (Listen-)Gebühren für bargeldlose Zahlungen variieren je nach Anbieter im Bereich von ca. 1,5% - 3% je Transaktion (Auch interessant: Abhängigkeiten in der digitalen Welt am Beispiel von PayPal).

Entsprechend wird von einem Gesamtmarkt im Bereich von 700 Milliarden USD - 1,2 Billionen USD ausgegangen. Diese Summen allein erklären schon, dass dieser Markt für Unternehmen wie Apple oder Google eine große Relevanz besitzt. Da der Kundenzugang ohnehin durch das Smartphone (Betriebssystem) gegeben ist, bietet sich dieses nette Zusatzfeature in Form von Apple Pay (iOS) oder Google Pay (Android) durchaus an und hieraus ergibt sich auch das Problem, welches Unternehmen haben, die über keine eigenen Devices verfügen.

Aber das alleine ist noch nicht ausschlaggebend. Bezahlt werden muss immer. Es geht um den Kundenzugang und um Daten! Wer den Zahlungsverkehr besitzt, besitzt perspektivisch auch den Kunden und hier haben, wie schon erwähnt, Unternehmen wie Google oder Apple natürlich einen gewaltigen Vorteil. Durch u.a. die sich im Umlauf befindlichen Geräte besitzen die beiden Unternehmen schon heute einen immens großen Kundenzugang. Diesen Zugang können diese Unternehmen nutzen, um Traktionen auf ihre Payment-Modelle zu bekommen und sobald diese Modelle sich etabliert haben, dreht sich der Spieß um. Plötzlich benötige ich ein Apple Device, um meine gewohnte Zahlungsart zu nutzen. Es wird dem Kunden zunehmend weniger darum gehen, wie er bezahlt. Hauptsache ist, dass bezahlt wird und dass es einfach und praktisch ist. Wenn sich eine Zahlungsart bei einem Kunden erstmal durchgesetzt hat, wird es schwer werden ihn davon abzubringen.

Was machen die deutschen Kreditinstitute eigentlich?

Einige Kreditinstitute kooperieren bereits mit Apple Pay oder Google Pay. Eine eigene ernstzunehmende Lösung lässt jedoch auf sich warten (Hier mehr dazu: "Irgendwas mit bezahlen" der deutschen Bankenwelt...Jetzt: 2. Akt).

Sowohl Apple als auch Google sind auch gar nicht unbedingt auf die direkte Zusammenarbeit mit den deutschen Kreditinstituten angewiesen. Im Sommer letzten Jahres haben PayPal, Google und Mastercard eine Zusammenarbeit bekannt gegeben. PayPal-Nutzer, immerhin gut 20 Millionen Deutsche, können Ihren PayPal-Account mit Google Pay verknüpfen. Mastercard erstellt eine virtuelle Kreditkarte, so dass eine einfache Einbindung gewährleistet wird.

Ähnlich auch bei Apple Pay, die eine eigene Kreditkarte mit der US-Bank Goldman Sachs und Mastercard entwickelt haben.

Im Vergleich zu den deutschen Kreditinstituten, die mit der girocard eigentlich ein weit verbreitetes Produkt haben, jedoch bislang an der Aufgabe scheitern diese Karte auch ins Handy zu bringen, ist die Vorgehensweise von Google und Apple ein gutes Beispiel für pragmatisches und zielführendes Handeln.

Dennoch: Bis Apple und Google sich von bestehenden Netzwerken (Kreditkarte oder girocard) lösen können, wird Zeit vergehen und ob sie es vollständig schaffen, bleibt offen. Bis dahin sind die etablierten Netzwerke für Apple sowie Google von zentraler Bedeutung.

Was gibt es aus Deutschland?

Ein richtiger „Newcomer“ ist das Unternehmen Wirecard nicht mehr. Der Zahlungsdienstleister, der im Jahr 1999 gegründet wurde, ist spezialisiert auf den elektronischen Zahlungsverkehr sowie das Risikomanagement. Als Payment-Service-Provider stellt Wirecard einem Händler die Anbindung sämtlicher Zahlungsverfahren (z.B. Kreditkarte, PayPal, usw.) aus einer Hand zur Verfügung. Zusätzlich betreibt Wirecard u.a. sogenanntes Factoring und erwirtschaftet damit den größten Anteil des eigenen Umsatzes. Beim Factoring übernimmt Wirecard die Bonitätsprüfung des Kunden und ist die Schnittstelle zwischen Endkunde und Händler. Das Geld wird direkt an den Händler überwiesen und für mögliche Zahlungsausfälle erhält Wirecard eine Risikogebühr. Durch die Übernahme von First Data durch Fiserv hat Wirecard einen mächtigen Konkurrenten aus den USA vor der Brust, dennoch konnte das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr auf 77,3 Mrd. Euro erhöht werden.

N26 ist eine junge deutsche Direktbank, die sich auf Smartphone-Nutzer spezialisiert hat, und vielleicht ein Lichtschimmer am Horizont. Klassische Bankgeschäfte neu gedacht mit absolutem Fokus auf die Usability für den Kunden. N26 erschließt zunehmend weitere Länder. Mittlerweile sind es 24 Länder, in denen N26 aktiv ist, und nach eigenen Angaben kommen jeden Tag 10.000 neue Kunden dazu. Trotz oder gerade wegen der anhaltenden Kritik scheint das Wachstum zur Zeit keine Grenzen zu kennen.

Was passiert im fernen Osten?

Der beliebteste Chat-Service für Smartphones namens WeChat, betrieben vom chinesischen Unternehmen Tencent, hat ein eigenes Mobile-Payment-System entwickelt und direkt in die App integriert. WeChat Pay ist vergleichbar mit Google Pay oder Apple Pay. Die Nutzerzahlen von WeChat Pay sind hingegen mit ca. 900 Millionen Nutzern, die mindestens einmal im Monat WeChat Pay nutzen, extrem beeindruckend.

Neben WeChat Pay gibt es mit Alipay einen direkten Konkurrenten zu PayPal. Alipay wurde im Jahr 2004 gegründet und hat bereits im Jahr 2013 ein Transaktionsvolumen von 150 Milliarden USD verzeichnen können. PayPal hatte im selben Jahr ein Transaktionsvolumen von 27 Milliarden USD zu Buche stehen. Das Unternehmen Ant Financial, zu dem Alipay mittlerweile gehört, hat im Sommer 2018 von dem SoftBank Vision Fund insgesamt ca. 14 Milliarden USD erhalten. Aktuell würde man für ca. 2 Milliarden USD mehr die gesamte Deutsche Bank kaufen können (Stand 05.08.2019).

Deutlich weniger Nutzerzahlen, jedoch im stationären Handel zumindest in Hongkong weit verbreitet, verzeichnet die Octopus Card. Ursprünglich entwickelt für Tickets im Bahnverkehr, hat sich die Octopus Card mittlerweile in Hongkong sowohl für die Einwohner als auch die Touristen als Zahlungsmittel Nr. 1 etabliert. Vor allem kleine Zahlungen, wie am Kiosk oder das Bahnticket, können so komfortabel und einfach getätigt werden. Mit mehr als 19.000 Akzeptanzstellen in Hongkong lässt sich dadurch an fast jeder Ecke ohne Bargeld zahlen. Die Octopus Card funktioniert dabei wie eine Prepaid-Card, die man aufladen kann, um so einfache Zahlungen vorzunehmen.

Deutsches Zahlverhalten im Vergleich

Laut Bundesbankstudie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2017“ ist im Jahr 2017 die Barzahlung mit 74,3 % Anteil an allen Transaktionen nach wie vor mit riesigem Abstand das beliebteste Zahlungsmittel. (Link zur Studie: https://www.bundesbank.de/resource/blob/634056/8e22ddcd69de76ff40078b31119704db/mL/zahlungsverhalten-in-deutschland-2017-data.pdf)

Die kontaktlosen Kartenzahlungen sind im Vergleich gerade mal mit 0,7 % vertreten. Die mobilen Bezahlverfahren sind mit gerade mal 0,1 % aller Transaktionen vertreten. Durch Google Pay und Apple Pay wird sich dieser Wert sicherlich im Jahr 2019 steigern, doch was können deutsche Kreditinstitute tun, damit mehr Leute weg vom Bargeld kommen?

Es müssen vor allem Mehrwerte seitens der Anbieter (z.B. Kreditinstitute) geschaffen werden. Einfach nur “bezahlen” reicht nicht mehr aus, besonders wenn man nicht selber die Geräte (z.B. das iPhone) besitzt und darüber den Kunden im Zugriff hat. Die (neuen) Vorteile und Mehrwerte müssen an die Leute herangetragen werden. Gleichzeitig muss die Sicherheit der neuen Zahlungsoptionen besser kommuniziert werden, sodass auch weniger affine Personen mit hoher Skepsis bereit sind neue Arten der Bezahlung zu nutzen.

Kontaktieren Sie uns gerne, um weitere Informationen zu erhalten oder wenn Sie sich dazu unverbindlich mit uns unterhalten wollen.

Anfrage senden  oder

Unverbindlich fachsimpeln

Tobias Wulf

Consultant bei der Liquam GmbH

RELATED NEWS

Beliebte Beiträge